SZ Biberach vom 13.01.2006

 Beim Roten Kreuz rumort es

BIBERACH - Beim Kreisverband des Roten Kreuzes Biberach (DRK) rumort es. Etliche Mitarbeiter werfen dem Geschäftsführer vor, sein Führungsstil sei nicht immer so gewesen, wie man es sich wünschte. Um der Sache auf den Grund zu gehen, laufen seit Dezember vom Kreisvorstand des DRK anberaumte Mitarbeitergespräche.

Von unserem Redakteur Achim Zepp

Am 29. November hatte Kreisbereitschaftsleiter Wolfgang Beck sein Amt niedergelegt. (Über die Gründe wollte er keine Stellungnahme abgeben). Die Bereitschaften sollen damals angedroht haben, sich aufzulösen, wenn sich am Führungsstil des Kreisgeschäftsführers nichts ändert. Noch am gleichen Tag, sagt Landrat Schneider, der Vorsitzende des DRK-Kreisvorstandes, habe er mit den Vertretern der zwölf Bereitschaften gesprochen und "sie haben mir die volle Funktionsfähigkeit aller Bereitschaften des Landkreises Biberach versichert". Seither hätten vom Kreisvorstand beauftragte Vorstandsmitglieder Gespräche mit Mitarbeitern geführt, um den angeblichen oder tatsächlichen Problemen in der Mitarbeiterführung nachzugehen; das vorläufig letzte lief am vergangenen Dienstag.

"DRK steht sehr gut da"

Der DRK-Kreisverband Biberach stehe im Land sehr gut da", sagt Peter Schneider. Während viele Verbände mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hätten, habe man im Kreis Biberach im Lauf der Jahre Millionen-Investitionen getätigt. Diese gute Entwicklung, sagt Schneider, sei im Wesentlichen Geschäftsführer Roland Prinz zu verdanken. Schneider vermutet hinter den Spannungen, die es offensichtlich gibt, strukturelle Probleme. "Es ist vielleicht zu viel an Roland Prinz hängen geblieben. Hier müssen wir wahrscheinlich etwas ändern und ihn entlasten."

Wenn sich herausstelle, dass Mitarbeiter tatsächlich Angst hätten und das Betriebsklima schlecht sei, müsse man allerdings etwas dagegen tun. "Wir nehmen die Angelegenheit jedenfalls sehr ernst und wollen nichts unter den Teppich kehren", betont der Landrat.

Roland Prinz selbst sagt, als er am 1. April 1994 sein Amt antrat, habe er überraschenderweise eine "schreckliche Situation" vorgefunden. Der Kreisverband sei mit 1,5 Millionen DM verschuldet und damit praktisch insolvent gewesen. Also habe er knallhart sanieren müssen. Das habe teilweise zu schmerzhaften Einschnitten und zu unliebsamen Maßnahmen geführt. "Wenn ich dabei einigen zu sehr auf die Füße getreten bin, wenn ich Fehler gemacht habe, tut es mir leid", sagt Prinz. "Heute würde ich manches anders machen." Prinz beklagt die anfangs schlechte Personalausstattung in der Verwaltung des Roten Kreuzes. Er hätte ab und zu Aufgaben delegieren müssen, "das ging aber nicht, weil wir die Leute nicht hatten." Er sei 365 Tage im Jahr erreichbar gewesen. Jetzt, sagt Roland Prinz, werde wenigstens ein Stellvertreter für ihn bestellt.

Zu dem Vorwurf eines "diktatorischen Führungsstils" seinerseits, sagt Roland Prinz, er pflege einen solchen Stil "in keinster Weise", weil er ihn selbst nicht ertragen könne. "Ich bin vielmehr der Überzeugung, dass man miteinander reden muss und nicht übereinander." Im übrigen sei er nicht böse, "wenn jetzt Druck aufgebaut wird: Vielleicht verändert sich auf diese Weise etwas bei uns."