Kommentar in der SZ vom 13.01.2006

Kerngesund und doch krank

Beim Kreisverband des Roten Kreuzes hängt der Haussegen schief. Mitarbeiter, vor allem ehrenamtliche, sind mit dem Führungsstil des Geschäftsführers unzufrieden und fordern offenbar seine Ablösung.

Von Achim Zepp

Das Rote Kreuz im Kreis Biberach hat sich in den vergangenen zehn Jahren prächtig entwickelt. Noch 1994 sterbenskrank - will sagen: beinah insolvent - hat man den Verband hochgepäppelt und wieder stark gemacht. Heute ist der einstige Patient kerngesund - jedenfalls was die Finanzen, den technischen und baulichen Zustand der Organisation angeht. Offensichtlich aber hat sich im Zuge der Genesung ein anderes Virus eingeschlichen und etliche Mitarbeiter befallen. Jedenfalls begehren sie auf, weil sie mit dem Führungsstil des Geschäftsführers nicht mehr zufrieden sind. Es heißt, Roland Prinz sei knallhart, als Geschäftsmann und als Mensch. Vielleicht hat er ja im Eifer des Sanierens seine Mitarbeiter hier und da vergessen, vielleicht hat er überhaupt zu viele Aufgaben auf sich geladen. Sein Eingeständnis, er würde heute manches anders machen und, wenn er Fehler gemacht, andere verletzt habe, tue ihm das Leid, lässt durchaus Raum für konstruktive Gespräche und für Veränderungen im Umgang miteinander. Das Rote Kreuz ist schlichtweg zu wichtig, als dass es in Personalstreitigkeiten für längere Zeit dahinsiechen kann.