Schwäbische Zeitung – Regionalausgabe Biberach - 08.02.2006

"Wir müssen die zweite Reihe stärken"

BIBERACH - Seit Wochen herrscht Unruhe im Kreisverband des Roten Kreuzes Biberach. Weil sich Mitarbeiter über den Führungsstil von Geschäftsführer Prinz beklagen, hat der Kreisvorstand jetzt einen Beschluss gefasst, der organisatorische Veränderungen und damit einhergehend Verbesserungen im Umgang miteinander bringen soll.

Von unserem Redakteur Achim Zepp

Ende November hatte Kreisbereitschaftsleiter Wolfgang Beck sein Amt niedergelegt (wir berichteten). Die Bereitschaften sollen damals angedroht haben, sich aufzulösen, wenn sich am Führungsstil des Kreisgeschäftsführers nichts ändert. Seither hatten vom Kreisvorstand beauftragte Vorstandsmitglieder Gespräche mit Mitarbeitern geführt, um sich ein Bild von der Situation zu machen. "Die Mitarbeiter sind uns sehr wichtig", sagt Landrat Peter Schneider, der Vorstandsvorsitzende im Roten Kreuz. Man habe mit mehr als 30 Leuten geredet, die Gespräche seien konstruktiv verlaufen. Die Probleme seien offen angesprochen worden, hätten aber ein uneinheitliches Bild ergeben. Ein Teil sage, es gebe keine Probleme, ein zweiter, es gebe welche, die zu lösen seien, und ein dritter verlange: Prinz muss weg!

"Diese Forderung, Roland Prinz zu entlassen, ist arbeitsrechtlich völlig irreal", sagt der Landrat. Roland Prinz sei seit zehn Jahren Geschäftsführer und weithin akzeptiert als ein Mann der unbestrittene betriebswirtschaftliche Fähigkeiten besitze, und er halte "seinen Laden in Schuss", so der Landrat. "Natürlich ist Handlungsbedarf da", sagt Peter Schneider. Das hätten die Gespräche ergeben. Der Ton des Geschäftsführers sei offenbar nicht immer angebracht. Prinz habe sich in Gesprächen mit dem Vorstand offen gezeigt für Veränderungen seinerseits. "Er macht nicht zu, wie manche vielleicht meinen", sagt Schneider.

Mehr Zeit für Ehrenamtliche

Der Vorstand des Roten Kreuzes habe nun einen differenzierten Anforderungskatalog erstellt. An erster Stelle stünden organisatorische Änderungen, Deregulierungen, die den Geschäftsführer entlasten sollen. Der habe sich ganz offensichtlich zu viel aufgeladen im Lauf der Jahre. "Es waren zu viele Zuständigkeiten in einer Hand", sagt Peter Schneider. "Wir müssen künftig die zweite Reihe stärken." Diese Leute müssten künftig mehr eigenverantwortlich arbeiten. "Wir haben die Mitarbeiter, die das können", sagt Peter Schneider, der dabei vor allem auch an den Rettungsdienst denkt. "Die müssen möglichst selbstständig arbeiten können."

Außerdem müsse man sich für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter mehr Zeit nehmen. Das sei in der Vergangenheit offenbar nicht passiert. "Da muss sich was verbessern - im Menschlichen vor allem", sagt Peter Schneider. 

Der Betriebsrat des Roten Kreuzes und die Gewerkschaft ver.di, die kürzlich in einer Betriebsversammlung die Beschlüsse beraten haben, wollten bisher keine Stellungnahme abgeben.