BIBERACH - Seit Wochen herrscht Unruhe im Kreisverband des Roten Kreuzes
Biberach. Weil sich Mitarbeiter über den Führungsstil von Geschäftsführer Prinz
beklagen, hat der Kreisvorstand jetzt einen Beschluss gefasst, der
organisatorische Veränderungen und damit einhergehend Verbesserungen im Umgang
miteinander bringen soll.
Von unserem Redakteur Achim Zepp
Ende November hatte Kreisbereitschaftsleiter Wolfgang Beck sein Amt
niedergelegt (wir berichteten). Die Bereitschaften sollen damals angedroht
haben, sich aufzulösen, wenn sich am Führungsstil des Kreisgeschäftsführers
nichts ändert. Seither hatten vom Kreisvorstand beauftragte Vorstandsmitglieder
Gespräche mit Mitarbeitern geführt, um sich ein Bild von der Situation zu
machen. "Die Mitarbeiter sind uns sehr wichtig", sagt Landrat Peter
Schneider, der Vorstandsvorsitzende im Roten Kreuz. Man habe mit mehr als 30
Leuten geredet, die Gespräche seien konstruktiv verlaufen. Die Probleme seien
offen angesprochen worden, hätten aber ein uneinheitliches Bild ergeben. Ein
Teil sage, es gebe keine Probleme, ein zweiter, es gebe welche, die zu lösen
seien, und ein dritter verlange: Prinz muss weg!
"Diese Forderung, Roland Prinz zu entlassen, ist arbeitsrechtlich
völlig irreal", sagt der Landrat. Roland Prinz sei seit zehn Jahren
Geschäftsführer und weithin akzeptiert als ein Mann der unbestrittene
betriebswirtschaftliche Fähigkeiten besitze, und er halte "seinen Laden in
Schuss", so der Landrat. "Natürlich ist Handlungsbedarf da",
sagt Peter Schneider. Das hätten die Gespräche ergeben. Der Ton des
Geschäftsführers sei offenbar nicht immer angebracht. Prinz habe sich in
Gesprächen mit dem Vorstand offen gezeigt für Veränderungen seinerseits.
"Er macht nicht zu, wie manche vielleicht meinen", sagt Schneider.
Mehr Zeit für Ehrenamtliche
Der Vorstand des Roten Kreuzes habe nun einen differenzierten
Anforderungskatalog erstellt. An erster Stelle stünden organisatorische
Änderungen, Deregulierungen, die den Geschäftsführer entlasten sollen. Der habe
sich ganz offensichtlich zu viel aufgeladen im Lauf der Jahre. "Es waren
zu viele Zuständigkeiten in einer Hand", sagt Peter Schneider. "Wir
müssen künftig die zweite Reihe stärken." Diese Leute müssten künftig mehr
eigenverantwortlich arbeiten. "Wir haben die Mitarbeiter, die das
können", sagt Peter Schneider, der dabei vor allem auch an den
Rettungsdienst denkt. "Die müssen möglichst selbstständig arbeiten
können."
Außerdem müsse man sich für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter mehr Zeit
nehmen. Das sei in der Vergangenheit offenbar nicht passiert. "Da muss
sich was verbessern - im Menschlichen vor allem", sagt Peter
Schneider.
Der Betriebsrat des Roten Kreuzes und die Gewerkschaft ver.di,
die kürzlich in einer Betriebsversammlung die Beschlüsse beraten haben, wollten
bisher keine Stellungnahme abgeben.