Bis der Rettungswagen kommt, können schon wertvolle
Minuten verstrichen sein.
Der "Helfer vor Ort" ist oft schon früher am
Notfall-Ort und kann schnell helfen.
(Foto: Thomas Warnack)
SCHEMMERHOFEN/KREIS BIIBER-ACH - Um noch schneller
erste Hilfe leisten zu können setzt das Rote Kreuz nun „Helfer vor
Ort“ ein.
Von unserer Redakteurin Ute Schäfer
,,Wenn ich das gewußt hätte, wär ich rübergegangen
und hätte geholfen", sagte ein Rettungssanitäter, als er ,,von
einem schweren Unfall in seiner unmittelbaren Nachbarschaft erfuhr. Aber
als der junge Mann den Rettungshubschrauber sah, der nebenan landete, war
alles schon gelaufen. Dabei hätte er in den ersten Minuten nach dem
Unfall wertvolle erste Hilfe leisten können. Die ersten Minuten nach
einem Unfall können entscheidend sein, gerade wenn es um einen Schädelbruch
geht, um einen Herzinfarkt oder eine stark blutende Wunde.
Innerhalb von 10 bis maximal 15 Minuten ist jeder Ort im Landkreis
von den Rettungsdiensten erreichbar - so lautet die gesetzliche Vorgabe,
und die hiesigen Rettungsdienste schaffen das auch. ,,Wenn man denkt, daß
wir hier einen Flächenlandkreis haben, ist das eine gute Leistung",
sagte Roland Prinz, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes.
Sieben Rettungswachen gibt es im Landkreis Biberach, die zu Unfällen,
Bränden oder im Notfall auch in die Wohnungen gerufen werden. Die
Helfer starten von Biberach, Laupheim, Schussenried, Ochsenhausen, Riedlingen,
Erolzheim und Orsenhausen aus, koordiniert werden sie von der Rettungsleitstelle
Biberach aus, bei der die Feuerwehr und das Deutsche Rotes Kreuz
zusammenarbeiten.
Diese zehn bis 15 Minuten sind aber lange, und schlimm ist das vor
allem für die Gemeinden, die weit entfernt von der nächsten Rettungswache
liegen - Schemmerhofen, zum Beispiel, oder Schweinhausen. Wertvolle Minuten
verstreichen da, bis der Rettungswagen aus Biberach oder Laupheim angebraust
kommt. Eigentlich darf das nicht sein, haben sich die haupt- und ehrenamtlichen
Rettungssanitäter zum Beispiel aus Schemmerhofen gedacht, und ein
System eingerichtet, das die Situation verbessert. Rettungssanitäter,
die zum Beispiel in Schemmerhofen wohnen, haben sich bereit erklärt,
als ,,Helfer vor Ort", immer dann angefunkt zu werden, wenn ein Notfall
in der Nachbarschaft passiert ist. Prinz: ,,Der Helfer geht dann sofort
zu Fuß oder mit dem Fahrrad oder dem Auto hin und kann dort gleich
fachmännisch helfen". Und, was ganz wichtig ist: ,,Der Helfer sieht
genau, was los ist und kann uns in der Rettungsleitstelle gezielt nachinformieren".
Das reduziere Fehlermeldungen. Oder rufe schneller weitere Ärzte oder
Rettungswagen auf den Plan, wenn der Unfall wirklich schlimm ist.
Alle machen freiwillig mit
Die Helfer machen freiwillig mit und - was Prinz und dem Rettungsdienstleiter Michael Mutschier besonders wichtig ist - sie müssen sich nicht rechtfertigen, wenn sie einmal nicht kommen. Prinz: ,,Das schlimmste ist, daß der status quo erhalten bleibt." Und der sei ja auch nicht schlecht. ,,Mit den Helfern vor Ort" kann es nur besser werden." Und ist es auch geworden. Dieses ehrenamtliche Sofort-hilfesystem läuft in Schemmerhofen bereits seit einem Jahr und im übrigen Kreisgebiet seit einem halben - in den vergangenen sechs Monaten sind die freiwilligen Ersthelfer 25 Mal gerufen worden - kreisweit. Erst kürzlich zu einem schweren Motorradunfall im nördlichen Landkreis, zum Beispiel. Der ,,Helfer vor Ort" hatte bereits Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet, als einige Minuten später der Rettungswagen kam.
! Die Rettungsleitstelle
ist zu erreichen unter der Telefonnummer 19222
(Deutsches Rotes Kreuz) oder 112 (Feuerwehr).
Es kann nur besser werden
Von Ute Schäfer
Die Notfallversorgung im Kreis Biberach ist nicht schlecht und ent-spricht
den Bestimmungen - jeder Ort ist innerhalb von 10 bis 15 Minuten mit einem
Notfahrzeug zu erreichen. Das klappt - wie gesetzlich vorgeschrieben -
in 95 Prozent der Fälle, ein kompliziertes Computerprogramm wacht
darüber. Den Biberacher Rettungsdienstlern langt das aber nicht. Um
keine wertvollen Minuten verstreichen zu lassen, verbessern sie ihre Hilfe
jetzt auf freiwilliger Basis. Die Versorgung kann dadurch nur besser werden,
denn sollten die freiwilligen Ersthelfer einmal nicht zu erreichen sein,
kommt eben nur der Rettungswagen angebraust, wie früher auch. Ist
der Ersthelfer aber da, kommt er wie der rettende Engel aus der Nachbarschaft
herbeigeeilt. Die Landkreisbürger und alle, die hier einen Unfall
haben, profitieren davon - und sollten den freiwilligen Helfern dankbar
sein.